Die Sägemühle

Die Bezeichnung „Sägemühle" für schwarzwälder Sägereien gibt schon den Hinweis darauf, dass sie über ein Wasserrad angetrieben wurden und damit vom technischen Prinzip her denselben Antriebsmechanismus aufwiesen wie die Mahlmühlen. Daher ihr Name.

„Die hauseigenen Sägereien waren und sind allerdings nur auf Höfen mit sehr großem Waldbesitz zu finden. Die ältesten Sägen des Schwarzwaldes sind die „Plotzmühlen", auch „Klopfsägemühlen" genannt. Sie sind in Europa bis auf drei Stück im Schwarzwald, eine davon im Freilichtmuseum in Gutach stehend, verschwunden. Bei diesen Plotzsägen wird der Rahmen mit dem Sägeblatt beim Drehen des Wellenbaumes durch Lupfarme hochgeschlagen. Diese sind in den Wellenbaum, auf dem das Wasserrad sitzt, eingelassen. Von der höchsten Stellung des Rahmens mit dem Sägeblatt „plotzt" dieser mit einem lauten Klopfgeräusch durch sein eigenes Gewicht herunter und trennt hierbei den Stamm auf. Von 1800 ab wurden die Sägemühlen mit Kurbelantrieb, im Schwarzwald „Hochgangsägen" genannt, abgelöst."

Eine „Plotzmühle" war auf dem „Ebenemoos" trotz immer sehr großer Waldbestände wahrscheinlich nie vorhanden. Die geschlagenen Bäume wurden früher vermutlich mit dem Holzfuhrwerk zu einem nahegelegenen Sägewerk gefahren. Denn in allen frühen Hofübergabeverträgen fehlt sie bei der Aufzählung der Hofgebäude. Erst der Hofbauer Martin, über dessen Vorliebe für technische Einrichtungen bereits zu berichten war, erbaute die erste Sägemühle auf dem „Ebenemoos". Es ist anzunehmen, dass bald nach seiner Hofübernahme im Jahr 1814 eine dem damaligen Stand der Technik entsprechende „Hochgangsäge" entstand, die ganz aus Holz gezimmert war. Sie wurde etwa 75 Meter unterhalb der bereits besprochenen Mahlmühle gebaut.

Dieser Standort bot sich nicht nur von der dortigen Geländeform, einer Talebene, an; vor allem war auf einen genügend großen Abstand zur Mahlmühle zu achten, wo das talwärts gerichtete Wasser die erste Arbeit zu verrichten hatte und hinter dem Mühlrad zunächst ruhiger weiterfloss. Erst wenn es im weiteren Bachlauf wieder genügend „Fahrt" hatte, konnte es ein neues Wasserrad, das der Sägemühle, mit ausreichender Kraft antreiben.

Weit über hundert Jahre drehte der Mühlenbach „im zweiten Arbeitsgang" das Mühlrad der Sägerei. Man kann sich beim Anblick der heutigen Sägerei und ihrer Umgebung noch gut vorstellen, welch geschäftige Betriebsamkeit und Geräuschevielfalt auf dem Mühlengrund des „Ebenemoos" geherrscht haben mag, wenn das Wasser schäumend über die Mühlräder schoss, die Steine der Mahlmühle über die hölzernen Wellen und Zahnräder mit schleifendem Geräusch in Bewegung hielt, für das rhythmische Auf und Ab des Sägeblattes sorgte und gleichzeitig das lange Drahtseil über quietschende Rollen zum Hof führte.

Doch auch an dieser jahrzehntelang wirtschaftlich arbeitenden Anlage nagte der Zahn der Zeit, neuere Antriebstechniken standen inzwischen zur Verfügung. So plante der Hofbauer Josef I. nach dem zweiten Weltkrieg den Bau eines neuen Sägewerkes. Nachdem ihm im Mai 1950 der Plan des Rötenbacher Architekten vorgelegen und das Landratsamt Neustadt sein Gesuch genehmigt hatte, baute er das neue Betriebsgebäude unmittelbar neben der alten Säge auf, die noch einige Zeit stehen blieb. Eine kleinere Fotographie, Anfang der 50er Jahre aufgenommen, lässt vermuten, dass die alte Sägemühle wohl schon einige Jahre nur noch bedingt funktionstüchtig war:

Abbildung 14
Abbildung 14
Die alte Sägemühle mit Neubau

Die neue Säge, die seit ihrer Erbauung mit Dieselkraftstoff angetrieben wird, bietet ausreichend Raum und technische Kapazität, um das geschlagene Holz marktgerecht zu bearbeiten. Auf dem angrenzenden Lagerplatz werden die zugeschnittenen Hölzer gelagert, bis sie verkauft und abtransportiert werden:

Abbildung 15
Abbildung 15
Der Sägeplatz auf dem „Ebenemoos“