Das Klima
Der Schwarzwald steht unter dem Einfluss der Klimazone der gemäßigten Breiten, d.h. der Westwindzone der nördlichen Halbkugel. Charakteristisch für diese Zone ist die Unregelmäßigkeit im Witterungsablauf. Wie kaum eine andere Region in der Bundesrepublik Deutschland ist der Schwarzwald hinsichtlich seiner klimatischen Eigenheiten von der orographischen Struktur (Gebietsstruktur, Reliefform des Landes) geprägt. Mit seinen Erhebungen bis über 1.400 m ü.M. überragt er die Rheinebene um 1.200 bis 1.300 m. Neben der Höhenlage spielt auch die Lage eines Ortes oder eines Tales zum Kamm des Gebirges und zur Anströmungsrichtung des Windes eine große Rolle.
Unter Berücksichtigung der Höhenlage und der orographischen Gegebenheiten wird der Schwarzwald in drei klimatische Zonen unterteilt:
- die Vorbergzone
in Höhenlagen zwischen 300 und 600 m ü.M.,
- der eigentliche Schwarzwald
oberhalb 600 m ü.M. mit seinem typischen Mittelgebirgsklima,
- die Baar
mit besonderen Klimaeigenheiten.
Die Temperatur nimmt bei normaler atmosphärischer Schichtung pro 100 m Höhenzunahme um etwa 0,6 ° C ab. Die wärmebegünstigten Gebiete am Kaiserstuhl, inder Freiburger Bucht und in der Oberrheinniederung zwischen Lahr und Karlsruhe erreichen mittlere Jahrestemperaturen von etwa 10 ° C, in Höhenlagen zwischen 600 m und 700 m gehen die Jahresmitteltemperaturen bereits auf Werte zwischen 7,6 ° und 7,1 ° C zurück. Höhenlagen um 1.000 m (z.B. Waldau-Jostal, Höchenschwand, Todtnauberg) bringen es nur noch auf 5,5 ° bis 6,0 ° C.
Die Gemeinde Schwärzenbach mit ihren Höhenlagen zwischen 860 m und 1.130 m ü.M. liegt damit insgesamt etwa in dieser Temperaturzone, während der „Ebenemooshof“, dessen Grundfläche sich überwiegend einer Höhenlage von 1.100 m nähert, in einem Bereich mit Jahresdurchschnittstemperaturen von nur wenig über 5 ° C liegt. Orte, die in tiefeingeschnittenen Tälern liegen, sind um 0,5 ° bis 0,8 ° C kälter als es der Höhenlage entspricht. Obwohl sich die Gebäude des „Ebenemooshofes“ aufgrund ihres beschriebenen Standorts in einer Kessellage etwa 30 bis 50 m unterhalt der umliegenden Höhenzüge befinden, dürften dort im Jahresdurchschnitt keine nennenswert geringeren Temperaturen auftreten.
In der zitierten Literaturquelle (vgl. S. 83 f.) sind „Monats- und Jahresmittelwerte der Lufttemperatur aufgrund von Messungen in den Jahren 1931 – 1960“ angegeben. Die dem Ebenemooshof am nächsten liegende Messstation ist „Waldau-Jostal“ (Seehöhe 1.005 m), deren Werte – berichtigt um eine höhenbedingte Temperaturabnahme von 0,2 ° bis 0,5 ° C – auf die Temperaturverhältnisse am Hof übertragbar sind. Demnach waren am „Ebenemooshof“ im genannten Erfassungszeitraum durchschnittlich folgende Temperaturen feststellbar:
Monat | ° Celsius |
Januar | - 3,2 |
Jahresmittel | 5,0 |
- Übersicht 6 -
Entsprechend der Höhenlage der Gemeinde Schwärzenbach zwischen 860 m und 1.130 m beträgt die durchschnittliche Jahrestemperatur zwischen 5,0 ° und 5,6 ° C.
Aufgrund von Aufzeichnungen aus den Jahren 1925 bis 1977 sind Aussagen über die Höchst- und Tiefsttemperaturen möglich. So war die höchste Temperatur am Feldberg 27,0 ° C, die in den Jahren 1952 und 1957 erreicht worden ist. Da der „Ebenemooshof“ ca. 400 m unter der Feldbergspitze (1.486 m) liegt, darf ein um 4 x o,6 ° C bereinigter Wert von etwa 29,4 ° C als Höchsttemperatur für das Ebenemooshofgebiet angenommen werden. Die Tiefsttemperatur am Feldberg wurde mit – 30,7 ° C im Jahr 1956 festgestellt, die in der Höhenlage des „Ebenemooshofes“ etwa den Wert um 28,3 ° C erreicht haben dürfte.
Diese niedrig erscheinenden durchschnittlichen Lufttemperaturen lassen vielleicht den Eindruck entstehen, die Schwärzenbacher Hochebene sei ein von der Sonne nur wenig verwöhnter Flecken Erde. In der zitierten Quelle (vgl. S. 86 f.) sind Angaben über die „Mittleren Monats- und Jahressummen der Sonnenscheindauer in Stunden“ enthalten, die auf Messungen in den Jahren 1901 – 1950 beruhen. Da dort keine Angaben über die unmittelbare Umgebung des Hofes enthalten sind, sind die nachfolgenden Werte für Schwärzenbach nur annähernd gültig: während in Titisee durchschnittlich pro Jahr insgesamt 1.564 Stunden und in Neustadt insgesamt 1.579 Stunden die Sonne schien, hatte Friedenweiler an insgesamt 1.718 Stunden einen strahlenden Himmel. Deutlich überschritten wird dieser Wert nur von Freiburg (1.802) und vom Kaiserstuhl (1.858), so dass sich auch in Schwärzenbach Mensch, Tier und Landschaft an überdurchschnittlich lang anhaltendem Sonnenschein erfreuen dürfen.
Wenn bisher von Temperaturen, Höhenlagen (mit teils herrlicher Fernsicht) und von Sonnenschein die Rede war, so entspräche diese Betrachtung weitgehend den Interessen des Fremdenverkehrs, der für Schwärzenbach aber eine eher untergeordnete Rolle spielt. Die Gemeinde ist mit einigen Fremdenzimmern bisher vom Massentourismus verschont geblieben und bis heute eindeutig auf die Land- und Forstwirtschaft ausgerichtet. Gerade für diese sind, neben anderen klimatischen Einflüssen, ausreichende Niederschläge lebensnotwendig.
Der Schwarzwald weist entsprechend der Höhenlage und der orographischen Gliederung große Unterschiede in der Niederschlagsverteilung auf. In der rheinnahen Trockenzone liegen die langjährigen Mittelwerte bei 600 bis 700 mm pro Jahr. Bereits in der Übergangszone zwischen der freien Rheinebene und dem Schwarzwaldfuß tritt ein deutlicher Zuwachs auf Jahressummen um 800 mm auf und der eigentliche Schwarzwaldrand kann mit 900 bis 1.000 mm Niederschlag rechnen. Die höchsten Niederschläge fallen in den eigentlichen Luvlagen des Schwarzwaldes, so im Belchen-Feldberggebiet und im Hornisgrindegebiet, wo Jahresniederschlagsmengen zwischen 1.800 und 2.100 mm gemessen werden.
In den langjährigen Aufzeichnungen findet man nur einen Monat, nämlich den April 1893, in welchem in weiten Teilen Baden-Württembergs überhaupt kein Niederschlag fiel. Die 45tägige niederschlagsfreie Periode vom 18. März bis 3. Mai 1893 war die absolut längste Trockenperiode, die in Baden seit Beginn der Beobachtungen im Jahr 1869 auftrat. Die längsten sommerlichen Trockenzeiten wurden vom 12. Juni bis 15. Juli 1949 (33 Tage) und vom 5. Juni bis 5. Juli 1976 (31 Tage) registriert. Dagegen wurde im Oktober 1939 an 30 aufeinanderfolgenden Tagen Niederschlag gemessen, wobei es allerdings nicht ununterbrochen regnete. Ähnlich niederschlagsreich war auch die Zeit vom 23. September bis 4. November 1974, als es nur an 2 von insgesamt 42 Tagen nicht regnete oder schneite.
Die in der herangezogenen Quelle (vgl. S. 92 ff.) angegebenen „Mittleren monatlichen und jährlichen Niederschlagsmengen (1931 – 1960)“ haben in den folgenden, Schwärzenbach naheliegenden Orten die nachstehend aufgeführten Werte erreicht:
Ort | Seehöhe m | Jährliche Niederschlagsmenge in mm |
Friedenweiler | 954 | 1.212 |
Neustadt | 807 | 1.210 |
Titisee | 867 | 1.252 |
Urach | 880 | 1.468 |
Waldau-Jostal | 1.005 | 1.533 |
- Übersicht 7 -
Während der winterliche Hochschwarzwald in der Beurteilung der Wintersportler mit dem Begriff „Schneesicherheit“ in Verbindung gebracht wird, nehmen die dort ansässigen Land- und Forstwirte die in manchen Jahren allzu strengen und lange andauernden Wintermonate als naturgesetzliche Gegebenheit hin. In den Höhenlagen von 900 bis 1.000 m trifft man im Durchschnitt in den Monaten Dezember bis März an 85 bis 95 Tagen eine Schneehöhe von mindestens 20 cm und an 52 bis 70 Tagen eine solche von 30 cm an. Oberhalb von 1.200 m zählt man schon 105 Tage mit 20 cm und 96 Tage mit mindestens 30 cm Schneehöhe. Der Anteil des Schnees am Jahresniederschlag ist im Hochschwarzwald mit 37 % sehr hoch. Heftige und anhaltende Schneefälle verursachen, zumal wenn es sich um feuchten Schnee handelt, schwere Schneebruchschäden in den Wäldern. Solche Schäden wurden im Dezember 1935, vom 6. zum 7. Februar 1958 und im Dezember 1976 angerichtet. Im letzteren Fall fiel auch in tieferen Lagen innerhalb von knapp 2 Tagen 20 bis 40 cm recht nasser Neuschnee.
Von einer solchen Schneeplage wurde der Schwarzwald auch im Winter 1981/82 getroffen. Außergewöhnlich starker Schneefall am 8. und 9. Dezember 1981, der als Nassschnee niederging und daraufhin einsetzende klirrende Kälte belud den Wald mit einer gefrorenen Schneelast, der die Widerstandskraft vieler Bäume nicht gewachsen war. Der zwangsläufig in der Folge eintretende Schneebruch im Ebenemooswald – wie in weiten Teilen des Schwarzwaldes – hatte ein Ausmaß erreicht, das nach den Aufzeichnungen auf dem Hof in solchem Umfang zuletzt nur aus dem Winter 1924 bekannt bzw. mündlich überliefert war.
In der genannten Quelle (vgl. S. 98) ist die „Durchschnittliche Anzahl der Tage mit Schneehöhen von mindestens 10, 20, 30 und 40 cm in Abhängigkeit von der Höhenlage (Luvseite)“ genannt. Die für den „Ebenemooshof“ heranzuziehenden Werte (Höhenlage 1.100 m) sehen danach folgendermaßen aus:
Monate | Anzahl der Tage mit Schneehöhen von mehr als ... cm | |||
10 | 20 | 30 | 40 | |
Dezember | 23 | 19 | 14 | 10 |
Januar | 28 | 26 | 23 | 21 |
Februar | 26 | 25 | 24 | 21 |
März | 27 | 25 | 23 | 20 |
- Übersicht 8 -
Da, wie der vorstehenden Übersicht zu entnehmen ist, im März durchschnittlich noch an 20 Tagen mehr als 40 cm Schnee liegt, wird verständlich, dass in der Höhenlage des „Ebenemooshofes“ bis in die Monate Mai/Juni Schnee liegen kann und damit dem kalendarisch eigentlich am 21. März beginnenden Frühling nur eine sehr kurze Lebensdauer bleibt. Dies macht deutlich, dass Winter und Schneefall in nahezu der Hälfte des Jahres Lebens- und Arbeitsbedingungen auf dem Hof bestimmen, auf die man sich seit jeher entsprechend einzurichten hatte.




