Die Historie

Die Familiengeschichte Tritschler hat ihre Wurzeln in der Entwicklungs- bzw. Besiedelungsgeschichte des Hochschwarzwaldes; sie steht im historischen Kontext zur Geschichte bzw. Siedlungspolitik der Klöster Friedenweiler, Reichenau und St. Gallen. Der Ebenemooshof in Schwärzenbach ist 1437 erstmals als klostereigener Hof urkundlich erwähnt; dort leben und arbeiten die Tritschler seither in ununterbrochener Folge als Hofbauern. Der Familienname hat seinen geographischen Schwerpunkt im Hochschwarzwald:

Die Familiengeschichte Tritschler (dies ist die heute relativ häufigste Schreibweise) hat sich schon früh über die ursprüngliche Region Hochschwarzwald hinaus entwickelt. Die Verbreitung des Namens über Menschen, die aus ihrer ursprünglichen Heimat Hochschwarzwald abwanderten, hat ganz verschiedene Ursachen und historische Hintergründe. Ein wesentlicher Grund der Abwanderung lag im Erbrecht der Gegend, dem „Recht der geschlossenen Hofgüter“, begründet: Nur der jüngste Sohn oder „in Ermangelung von Söhnen die älteste, noch unverheiratete Tochter“ waren bis in die neueste Zeit hinein berechtigt, das Hofgut als Ganzes zu erben. Die nicht erbberechtigten Geschwister des Erben verblieben auf dem Hof als „mithelfende Familienangehörige“ (Knechte, Mägde), konnten auf einen anderen Hof in der Region einheiraten oder suchten ihr Glück irgendwo in der Fremde. Glas- oder Uhrmacherhandwerk und der entsprechende Handel boten vielen Söhnen und Töchtern teils völlig neue Perspektiven.

So ist Schwärzenbach und der weitere Hochschwarzwald von zahllosen Namensträgern Tritschler verlassen worden. Die unter „Familienverband“ genannten Ausgangsregionen Esslingen/Neckar und Kirchheim/Teck lassen für die von dort abstammenden Namensträger deutlich andere Entwicklungslinien erkennen. Während im Hochschwarzwald große, zusammenhängende Hofgüter als „Streusiedlung“ erhalten blieben, war Esslingen schon sehr früh städtisch und Kirchheim als „Dorfsiedlung“ eher kleinbäuerlich geprägt. Zudem war diese Region sog. „Realteilungsgebiet“, d.h. die Höfe wurden seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts im Wege der Erbteilung aufgeteilt und verloren damit häufig die wirtschaftliche Existenzfähigkeit. Diese ökonomischen Rahmenbedingungen hatten unmittelbaren Einfluss auf die persönliche bzw. geographische Entwicklung der Generationen; Familienzweige aus diesen (später) württembergischen Herkunftsregionen haben sich daher früh aus den bäuerlichen Traditionen gelöst und handwerkliche Berufe aufgenommen oder sind Beamte oder Pfarrer geworden.

Über die Abwanderung aus den angestammten Regionen ergab sich für die Familiengeschichte Tritschler etwa ab dem 18., verstärkt ab dem 19. Jahrhundert eine Wanderung und Neuansiedlung im weiteren Südwestdeutschland, dann in ganz Deutschland und den angrenzenden Staaten. Das Elsaß war schon sehr früh eine begehrte Zielregion von Namensträgern; von dort aus haben sich bis heute eine Vielzahl von französischen Familienzweigen entwickelt. Die heute in England und Wales lebenden Tritschler und ihre Nachfahren sind zumeist Nachkommen von ausgewanderten Uhrmachern und Uhrenhändlern. Von diesen sind viele nach USA, Canada und anderen Ländern der Erde „weitergewandert“. Die Industrialisierung in Zentraleuropa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts spiegelt sich in den Familiengeschichten vieler Tritschler-Familien ebenso wieder wie die postindustriellen Formen von beruflichen Existenzgrundlagen.

Die geographische und auch emotionale Entfernung der Nachkommen von den „Stammregionen“ ihrer Vorväter, die über Jahrhunderte Heimat und (meist auch) Nahrung boten, ist eine natürliche Folge der Entwicklung der neuesten Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Sie stellt die Menschen im Zuge der Globalisierung des Wirtschaftslebens öfter in einen neuen und im Laufe eines (Berufs-)Lebens auch wechselnden sozialen Kontext. Die Frage danach, welchen Ort die Menschen als ihre Heimat empfinden, muss oft unbeantwortet bleiben. Somit gewinnen Fragen nach den familiären Wurzeln einen völlig neuen Sinn, weil diese häufig nicht mehr erlebbar sind. Auch die früher selbstverständliche „Drei-Generationen-Familie“, in der das alltägliche Leben gemeinsam bewältigt wurde und Familientraditionen von den Großeltern auf ihre Enkel unmittelbar übertragen werden konnten, ist nicht mehr Realität, sondern eher die Ausnahme.

Vor diesem Hintergrund konnte aus der Sicht des Familienverbands die Erfahrung gemacht werden, dass – oft in der dritten Lebensphase – das Interesse an der eigenen Herkunft erwacht. Manchmal erst dann, wenn Kinder Fragen stellen, die man nicht beantworten kann. Aus diesem Grund macht es der Familienverband sich zur Aufgabe, im „Tritschler-Archiv“ genealogische Daten und Informationen, Biographien und Lebenserinnerungen von Namensträger(innen) als „bleibendes Gedächtnis“ zu dokumentieren.