Das Hofgut Ebenemoos
Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist der Ebenemooshof in Schwärzenbach der Stammsitz und Ausgang der Tritschler-Familien. Dieser Hof war und ist Lebens- und Wirtschaftsraum für mehr als zwölf Generationen. Der Lage zwischen 1030 und über 1100 m Höhe entsprechend sind die Wald- und Weidewirtschaft die tragenden ökonomischen Säulen des Betriebs. Der Hof besteht aus mehreren Gebäuden. Seine bauhistorischen Merkmale weisen ihn der Generation der "älteren Heidenhäuser" zu. Eine 1984 durchgeführte dendrochronologische Untersuchung ergab, daß das Hofgebäude zwischen 1508 und 1530, also etwa in der Zeit des Bauernkriegs 1524/25, erbaut worden ist.

Die Bauernhöfe im Hochschwarzwald weisen eine Reihe von kulturhistorischen Besonderheiten auf, zu denen neben Hermann Schilli (1896-1981), dem Initiator des Freilichtmuseums „Vogtsbauernhof“ und Autor zahlreicher Veröffentlichungen über das Schwarzwaldhaus (u.a. Schilli, Hermann: „Ländliche Haus- und Hofformen im alemannischen Gebiet Badens“, in: „Badische Heimat“, 31, Jahrgang 1951) Prof. Dr.-Ing. Ulrich Schnitzer (Institut für Orts-, Regional- und Landesplanung der Universität Karlsruhe, Lehr- und Forschungsgebiet Planen und Bauen im Ländlichen Raum) zu nennen ist, der „Das Höhenhaus“ umfassend beschrieben hat (vgl. Ulrich Schnitzer: „Schwarzwaldhäuser von gestern für die Landwirtschaft von morgen“ mit Beiträgen von Franz Meckes u.a., Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1989, S. 33 ff.):
„Bei den Bauern des Hochschwarzwaldes ist das Wissen um einzelne mittelalterliche Konstruktionselemente des Eindachhauses bis heute lebendig geblieben. Es mag sein, dass sie aus diesem Grund ihre Hausform als von „Heiden“ erfunden glauben und sie daher als „Heidenhaus“ bezeichnen. Zweifellos soll der Begriff das archaische Erscheinungsbild dieses Haustyps und sein vermeintlich hohes Alter versinnbildlichen.
Heute verfügt man über eine Vielzahl gefügekundlich untersuchter und genau datierter Gebäude und kann diese mit den Bautypen der angrenzen Schwarzwaldtäler vergleichen, deren Alter ebenfalls gesichert ist. Der Vergleich zeigt, dass es sich bei dem Haustyp des Hochschwarzwaldhauses in Wirklichkeit um den weiterentwickelten, nicht der ersten Besiedelungsphase entsprechenden Baubestand handelt. Die „neue Generation“ dieses Haustyps, die im 16. Jahrhundert entwickelt wurde und in den hohen rauen Lagen des Schwarzwaldes Verbreitung fand, wird deshalb im folgenden „Höhenhaus“ genannt. …
Das Hauptverbreitungsgebiet des Höhenhauses beginnt im Nordosten bei den Gemeinden Vöhrenbach, Furtwangen-Rohrbach und Schönwald. Im Westen folgen die Grenzen dem Steilabhang des Schwarzwaldes bei Gütenbach, St. Peter, St. Märgen, Breitnau und Hinterzarten und im Süden vom Feldberggebiet den östlich anschließenden Höhenrücken bis Lenzkirch-Kappel. Im Osten stößt es an das Altsiedelland der Baar.
Die Hochlagen des Schwarzwaldes kennen lange, schneereiche Winter, die feuchtkühlen Sommer bieten der Landwirtschaft nur beschänkte Möglichkeiten. Viehzucht, Waldnutzung und ein bescheidener Ackerbau bilden die Haupteinnahmequellen der Bauern. Auf diese Wirtschaftsform ist unter Berücksichtigung extremer Schneemengen und starker Südwestwinde, die eine Geschwindigkeit von 120 km/h erreichen können, das Eindachhaus zugeschnitten. Es steht unterhalt der Hausquelle an der Grenze zwischen Dauerwiesen und Wechselfeldern und stellt sich mit seinem tiefgezogenen Walmdach der Witterung entgegen. Vielfältige Beobachtungen und Erfahrungen über lange Zeiträume hinweg müssen in die Entwicklung des Höhenhauses eingeflossen sein. Nur so ist erklärbar, dass beispielsweise immer der Stallbereich der Hauptwindrichtung ausgesetzt ist und der Wohnteil mit der Stube geschützt auf der windabgewandten Seite, meist nach Nordosten, liegt.
Das Steildach war früher in der Regel mit Holzschindeln gedeckt. Die windbelasteten Schmalseiten sind als Vollwalme ausgebildet; der im Winddruck liegende Stallwalm ist soweit heruntergezogen, dass er fast den Boden zu berühren scheint. … Das zweigeschossige Wohnhaus enthält im Erdgeschoß eine geräumige Stube und eine große Küche. Dieser zweiraumbreite Wohngrundriss ist nur noch in wenigen Beispielen unverändert erhalten. … Zugunsten einer Leibgedingstube trennte man einen Teil der Küche ab. Diese rückte so in die Hausmitte und erhält bei einem zum Berg hin orientierten Wohnteil nur noch wenig Licht. Die kaminlose Küche reicht über zwei Geschosse und wird nach oben hin durch einen Boden über den Dachbalken abgeschlossen. Es ist somit genügend Höhe vorhanden, um den Rauch von Herd und Kachelofen in einem Rauchfang … abkühlen zu lassen. …
Am Ende des 17. Jahrhunderts, insbesondere aber im 18. Jahrhundert, werden zahlreiche Eindachhöfe durch An- und Umbauten im Wohnbereich verändert. Die zum Berg hin ausgerichtete Wohnung erhält neben der Stube eine zusätzliche Kammer, und an das hangparallele Haus wird in vielen Fällen eine separate Leibgedingwohnung angefügt. Damit wird den veränderten Lebensgewohnheiten und dem größeren Platzbedarf Rechnung getragen. Kammern für das Gesinde liegen über dem Stall … Der Wirtschaftsteil, auch „Scheuer“ genannt, enthält Tenne, zwei Stallzeilen und den Futtergang. …
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts verändert sich der Heubergeraum im Dach. Mit dem Einbau der Hocheinfahrt musste man zum Entladen der Heuwagen über die zwei Meter tieferliegende Heubühne zwischen Wohnteil und Stallwalm eine Brücke, die „Fahr“ einziehen...
Die Schwarzwaldhäuser wurden im Laufe ihrer Geschichte immer wieder den gewandelten betrieblichen Erfordernissen und Bedürfnissen ihrer Bewohner angepasst. Die Veränderungen lassen sich anhand zahlreicher Beispiele im Althofbestand belegen. Über die früheren Wohnverhältnisse der bäuerlichen Großfamilie gibt mangels Schriftquellen nur der Baubefund Auskunft. Im zweiraumbreiten Wohnteil der Höhenhäuser lag im Erdgeschoss eine große Stube und darüber die ebenso große Schlafkammer. Weitere Wohn- und Schlafräume lassen sich in den ältesten Bauten nicht nachweisen. Bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts fügt man nachträglich über dem Stall die Schlafkammern der Knechte ein. Die erhöhten Ansprüche an das Wohnen und sicherlich auch die Schwierigkeiten im Zusammenleben der älteren und jüngeren Generation führten im 17. Jahrhundert zur Schaffung einer eigenen Leibgedingwohnung, indem … von der großen Küche auf der dem Eingang abgewandten Seite ein Stück abgetrennt … oder … hinzugefügt wurde. Auch diese Lösung dürfte bei der gemeinsamen Küchenbenutzung nicht unproblematisch gewesen sein, so dass es später zu gesonderten Leibgedinghäusern wie beim Ebenemooshof in Titisee-Neustadt-Schwärzenbach kam (Abb. 70).“




